Lucca entdecken: typische Läden und ihre Geschichte und die imposante Stadtmauer
Die kleinen Läden in Lucca sind wie überall in Italien von den Läden der grossen Handelsketten verdrängt worden. Aber im Stadtzentrum existieren noch nostalgische Läden mit ihrer charakteristischen Einrichtung. In Via Santa Lucia befinden sich 2 solcher Läden, seit 1823 die Bäckerei Giusti, es lohnt sich die im Dampfbackofen gebackene, knusperige Focaccia zu probieren, und schräg gegenüber dem Laden von Prospero, der toskanische Qualitätsprodukte wie Getreide, Gewürze, Weine und Oel offen verkauft.
Daneben finden wir Chiasso Barletti, eine historische Strasse mit Läden, die Kunsthandwerk anbieten, ein Besuch lohnt sich. (Chiasso heisst: eine enge, kurze und wenig begangene Gasse, öfters schlecht gepflastert und mit Bögen oder Überführung abgegrenzt. Ein Chiasso konnte öffentlich sein oder im Innern eines privaten Besitzes liegen, eine kleine Strasse mit seitlichen Gruben, in denen der Abfall entsorgt wurde).
Beim Spazieren durch die Gassen sollte der Rat eines bekannten Reiseführers befolgt werden: Nase nach oben, um die antiken, symbolischen Namensschilder oberhalb der Läden zu bewundern.
Die Via Santa Lucia führt zur Piazza San Michele. Auf der linken Seite finden wir das Café Taddeucci, bekannt für sein Buccellato, Buccellatum im antiken Rom (Krone aus Brot). Das heutige ringförmige Buccellato di Lucca ist ein süßes Gebäck mit Sultaninen und Anis. Das Brot hat einen alten Ursprung, und jede Bäckerei oder Familie hat ihr eigenes Rezept, dessen Geheimnis nicht verraten wird.
Neben Tadeucci entdecken wir die antike Apotheke Massagli, bekannt für ihren Likör China, hergestellt aus Kräutern und China-Rinde, ausgezeichnet für die Verdauung oder als Aperitif. Auf der rechten Seite des Platzes liegt der Laden Tista, heute ein Kleiderladen mit der über hundertjährigen Einrichtung. Im früheren Mischwarenladen wurden Drogerieartikel, Likör und Merceriewaren verkauft. Im Laden arbeitete ein Angestellter mit dem Übernamen Tista. Die Bauern fanden im Laden alles Nötige wie Seile, Baumwolle usw. Im Weiteren wurden Verträge abgeschlossen für den Kauf und Verkauf des Futters für Huftiere (Biada). Der Vertrag wurde üblicherweise mit einem speziellen Getränk besiegelt, das aus den Resten sämtlichen vorhandenen Liköres hergestellt und von Signor Tista serviert wurde.
In der Via Fillungo befindet sich das antike Café di Simo (heute leider geschlossen), einstmals das eleganteste Café von Lucca in Liberty Stil, an seinen Tischen pflegte auch Puccini, ein Sigaro rauchend, zu sitzen. Heute können wir nur noch das Schaufenster und das Namenschild bewundern. Das gegenüberliegende Schmuckgeschäft Carli, ist berühmt für seine Kollektion von antiken Schmuckstücken, und die schönen Schaufenster, 1860 im Liberty Stil gebaut, wurden auch im New York Times erwähnt.
Das wichtigste Bauwerk und Wahrzeichen von Lucca ist zweifellos die 12 m hohe Stadtmauer, le Mura rinascimentali, welche das historische Stadtzentrum umschliesst. Gebaut als Verteidigungsmauer wurde sie um 1800 mit einem 4 km langen Spazierweg dem Publikum geöffnet und in einen grossen Park umgewandelt. Der Weg lädt zu Spaziergängen und zum Velofahren ein und wird von Einheimischen und Touristen mit Begeisterung genutzt. In der schönen Jahreszeit wird die Mauer auch als Bühne für Spektakel und Konzerte gebraucht. Die Mauer ist von weiten Rasenflächen und vom botanischen Garten umgeben.